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Das Deutsche Museum als Behindertenparkplatz
Vorweg: Wir gehören ja seit einiger Zeit zu den süchtigen Lesern des Behindertenparkplatz. Nicht nur, weil die Frau, die ihn schreibt, eine ausgesucht scharfsinnige und angenehme Kollegin ist. Sondern auch, weil wir beginnen, einen kleinen Ausschnitt ihres Blicks auf die Welt zu verstehen. Die Freude über einen eigens eingerichteten Sonderaufzug an einer entlegenen Bonner U-Bahn-Haltestelle, zum Beispiel. Wir fahren nämlich seit zweieinhalb Jahren mit zwei Kindern intensiv: Kinderwagen.
Heute: Deutsches Museum. Der Haupteingang hat eine Treppe. (Und eine Rampe zum Hinauffahren. Seitlich hinten, gut versteckt und nicht ausgeschildert, oder?) Hochbugsieren des Kinderwagens. (Was machen die Rollstuhlfahrer? Sie recherchieren wohl besser.)
Im Foyer: Eine Rampe führt hinauf zum eigentlichen Museums-Erdgeschoss. Wie aber gelangt man ins Restaurant im 1. Stock? Beschilderung des Aufzugs: mangelhaft - nicht zu sehen. Die Information meint, Rat zu wissen: Der Aufzug sei gleich hinter der Rampe des Eingangs.
Stimmt: Wir warten ca. 5-10 Minuten (Sonntag!), dann ergattern wir eine leere Kabine des offiziellen Besucheraufzugs, so groß, dass weder unser Kinderwagen noch ein halbwegs stattlicher Rollstuhl hineinpassen. Wir zirkeln ihn dennoch hinein. (Man muss ihn kippen und beim Hochfahren mit zwei Rädern in der Luft halten.)
Im 1. Stock suchen wir das Restaurant. Es befindet sich in einem Mittelgeschoss, am Fuß einer Treppe mit 10-15 Stufen. Wir bugsieren den Kinderwagen hinunter. (Wie kommen Rollstuhlfahrer ins Käfer-Restaurant des Deutschen Museums? Wir sind zunächst ratlos, wie offensichtlich auch die ebenerdige Information.)
Auf dem Rückweg entdecken wir einen Aufzug "nur für Personal", es gibt da eine Abdeckung, wenn man die verbotenerweise entfernt, kann man eine Taste drücken, die den Aufzug holt, und die strafenden Blicke des Personals im Aufzug ernten. Wir lassen von dem Plan ab.
Stattdessen: Frage an die Kassiererin, wie wir wohl wieder ins Erdgeschoss kämen, ohne den Kinderwagen die Treppe hinaufzubugsieren? Da gebe es den Personalaufzug, die Köche der Kantinte hätten den Schlüssel. Schlangestehen bei der Essensausgabe. Dann: "Chef, die wollen den Personalaufzug benutzen!" -- Nein, da gebe es gar keinen Schlüssel, ätsch. Man solle einfach die Abdeckung entfernen und verbotenerweise den Aufzugholknopf...
Wir ignorieren die bösen Blicke des Personals im Aufzug und raten das Stockwerk. (Es gilt wohl eine andere Numerierung als im öffentlichen Teil des Museums.) Wir enden schließlich in der Küche (!) des Cafés im Erdgeschoss. Das ist auch richtig, offensichtlich handelt es sich um den Standardweg für Kinderwagen- und Rollstuhlfahrer, die anwesende Köchin scheint jedenfalls nicht erstaunt, als wir an ihr vorbei und hinauseilen ins Foyer.
Natürlich sind auch die einzelnen Stockwerke des Deutschen Museums mit sehr vielen Treppen und sehr wenigen Aufzügen von der Größe eines Pinscherzwingers verbunden. (Durschnittliche Wartezeit am Sonntag: ca. 5 Minuten. Die einzelnen Stockwerke sind numeriert und nicht näher erläutert - wozu auch? Ist hier ja für Ingenieure.)
Der Weg ins Kinderparadies führt durch die Brückenbauabteilung, an deren Ende drei besonders wuchtige Treppenstufen zu überwinden sind, gedacht als Sitzgelegenheit für eine Filmvorführung. (Rollstuhlfahrer recherchieren auch hier besser oder drehen um.)
Das Kinderparadies befindet sich am Fuß einer weiteren Treppe, oben parkt ein verzweifeltes Dutzend Kinderwägen. Blöd, wenn man einen schlafenden Säugling mitführt. Warten vor dem Aufzug.
Immerhin, ein besonders schönes Erlebnis hat uns die suboptimale Programmierung der Aufzüge beschert, die gerne offiziell nach unten fahren, aber stattdessen gerne mal unters Dach schießen: Der Ausblick da oben ist fulminant, hätten wir sonst nie gesehen.
Und beim Hinausgehen finden wir auch die Rampe des Hauptausgangs. Ist ja schließlich direkt an der Tür ausgeschildert.
Danke für die VIP-Behandlung.
08.05.2005, 20:23
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